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12. Testflug & Ausblick

Juli 21, 2021

Alles ist fertig. Deine Freunde und Kollegen beneiden Dich um das Modell, was es so, in dieser Form nicht zu kaufen gibt. Du bist stolz, denn Du hast es von Anfang an selbst gebaut und entwickelt. Vielleicht hast Du sogar meine Vorschläge ignoriert oder eigenständig Veränderungen vorgenommen. Super.
Das Modell fliegt, denn das hast Du bereits beim Erstflug bewiesen und nun ist es fertig.
Zeit für den Zweitflug, welcher die Einstellung und Notfall-Emergency Verfahren beinhaltet. Vielleicht siehst Du Dir noch im "Premiumbereich" unter Flugschule den Artikel über das Einfliegen eines Modells an.


Hier schildere ich Dir meine Erkenntnisse und Tipps.
Auf meinem YouTube-Kanal kannst Du demnächst ein kurzes Video meines „Zweitfluges“ anschauen, um ein Gefühl für das Flugbild zu bekommen.

1. Start


  • Ideale Startmethode für dieses Modell ist der Diskuswurf. Das Modell wird mit 3/4 Gas, mit leichtem Winkel in die Luft geschoben. Ein kraftvoller Wurf ist hier aufgrund der Motorisierung gar nicht notwendig. Achte nur darauf, dass das Modell genau gegen den Wind und waagerecht (Flügel parallel zum Boden) Deine Hand verlässt. Je nachdem wie herum der Motor verläuft, kann es zu einem Rollmoment kommen, auf dass Du vorbereitet sein solltest.

  • Die programmierbare Starthilfe der Höhenruderunterstützung ist bei diesem Modell unnötig, wenn Du beim Start auf einen Winkel von etwa 30 Grad achtest. Ich lasse die Funktion dennoch aktiviert und schalte in der Luft erst zum Normalmodus zurück. Gewohnheit eben.


Start im Diskuswurf der F-18 bei schönenm Wetter

2. Flug

  • Schwerpunkt: Der Schwerpunkt passt wie angegeben. Nach etwas probieren und anpassen, beträgt die Entfernung in meinem Fall nun exakt 2,5cm vom Knick der LEX/Übergange in die Tragflächen. Das Modelle ist damit neutral eingestellt.

    Trimmung: Die Höhenruder müssen trotz neutralem Schwerpunkt  etwas angestellt werden, um einen Geradeausflug ohne durchhängendes Heck, zu erreichen. Dies ist u.a. dem Brettprofil geschuldet. Die Querruder müssen ebenfalls ein paar Klicks getrimmt werden und gleichen damit das doch im Verhältnis erhebliche Gewicht auf der rechten Seite durch den 100g LiPo aus. Regler und Empfänger reichen als Gegengewicht nicht aus, Blei möchte ich aber nicht zugeben.


  • Rollen: Rollen gelingen nicht zufriedenstellend, denn die Ausschläge sind mir zu klein. Ohne stützendes Seitenruder ähneln die Rollen einem Korkenzieher. Konstruktionsbedingt und der Drehrichtung der Propellers geschuldet, gelingen diese rechtsherum leichter und deutlich sauberer als entgegen der Drehrichtung des Antriebs. Experimente mit Differential, um das Kurvenflugverhalten zu verbessern, habe ich gleich wieder verworfen, denn dies hat zur Folge, dass das nach unten schlagende Taileron bei Querruderbefehl weniger Ausschlag hat, als das nach oben schlagende. Dadurch verringert sich die Rollneigung weiter. Ich hebe mir derartige Experimente auf, bis ich echte Querruder zur Rollunterstützung eingebaut habe, und die Tailerons etwas entlaste.


  • Looping: Eine weitere Schwäche wirst Du im Looping finden. Wird dieser zu langsam geflogen oder zu stark gerissen, so kann das Modell im Scheitelpunkt unkontrolliert die Flugbahn verändern. Woran dies genau liegt, habe ich noch nicht herausgefunden, aber ich vermute eine Kombination aus Profilform und extrem niedrigem Gewicht. Es existiert schlicht keine Massenträgheit, die das Modell weiter antreibt und so durch die Flugfigur zieht. Im Extremfall kann diese kurzfristig zum Kontrollverlust führen, also übertreibe es nicht mit den Höhenruderausschlägen.


  • Strömungsabriss: Das Modell lässt sich extrem langsam fliegen, jedoch nicht in einer „Flugzeugträgerlandung“ absetzen. Dies bedeutet, dass das Modell in einen stabilen, steilen Sinkflug geht, jedoch nahezu in der waagerechten bleibt. Ein punktgenaues Absetzten oder eine Ziellandung ist somit auf diese Weise nicht möglich.
    Verhindert wird dies durch ein plötzlich einsetzendes Bocken, Zucken, Wackeln und Tanzen der Tragflächen. Ein eindeutiges Zeichen. Dennoch gelingt ein Strömungsabriss im klassischen Sinne nicht und somit sind auch keine Abkipptendezenn zu einer Seite zu bemerken. Mit etwas Gegenwind kann das Modell jedoch nahezu auf der Stelle verharren, da der Wind ja nun den Antrieb ersetzt. Nicht die Tragfläche, die sich durch die Luft vorwärts bewegt, erzeugt den Auftrieb, sondern der Wind, der über die Tragfläche streicht.

  • High Alpha: Manöver mit mittlerem Anstellwinkel gelingen auf Anhieb und völlig wie von selbst. Dies setzt jedoch eine gewisse Geschwindigkeit vorraus (s. oben). Einzig die Steuerung versagt, da Querrudereinsatz hier zu Auftriebsverlusten auf der gegenüberliegende Seite (also da, wo die Querruder nach oben schlagen) führt. Für derartige Manöver sind Seitenruder unersetzlich.


  • Windanfälligkeit: Erstaunlicherweise ist das Modell sehr gut bei starkem Wind (bis BF4) zu fliegen. Achte nur in Kurven darauf, die Gasposition entsprechend zu verändern, ansonsten steigt es Dir bei Kurven in den Wind hinein stark nach oben weg. Und fliege keine allzu engen, langsamen Kurven, denn dann haut der Wind unter oder auf die schräg stehenden Tragflächen und führt zu einem Übersteuern.

  • Flugzeit: Die Flugzeit beträgt inzwischen stabile und zufriedenstellende 3:20 Minuten. Somit sehe ich keinen Nutzen im Einsatz von größeren LiPos und ziehe den Gewichtsvorteil einer längeren Flugzeit vor.
Tiefer Ueberflug der F-18
Überflug der F-18
Landeanflug der F/A-18

3. Landung

  • Die Landung ist noch einfacher als der Start. Beschädigungen sind unwahrscheinlich, da das Gewicht zu gering ist, selbst wenn das Modell aus 1m auf den Boden fällt.


  • In jedem Fall sollte im Regler die Bremse aktiviert sein/werden. Dies schont den Prop bei der Landung und verhindert Schmutz durch aufwirbelndes Gras und Erde. Zusätzlich entsteht bei einem frei drehenden Propeller (ohne Bremse) ein Windmühleneffekt. Der Propeller dreht allein durch den Luftstrom von vorne angetrieben einfach weiter und sorgt für eine interessante Mischung aus Bremswirkung und Antrieb, ähnlich einer Autorotation bei Hubschraubern.
    Mir ist lieber, der Motor und der Propeller steht, denn dann kann ich den Gleitweg besser abschätzen.

  • Für eine normale Landung mache ich einen langsamen Anflug, halte die Gasstellung bei etwa 20% und ziehe das Modell in etwa einem Meter Höhe in die Waagerechte. Kurz vor dem Aufsetzen nehme ich das Gas komplett raus (Motorbremse greift) und lasse das Modell ausschweben. Da das Modell mit leichte Anstellwinkel fliegen kann, ist es von Vorteil, den Landeanflug mit gerade soviel Gas durchzuführen, dass die Nase des Modelle leicht nach oben gerichtet ist.
    Um den Unterboden zu schonen, kannst Du das Höhenruder stetig weiter durchziehen um einen leichten Anstellwinkel einzunehmen (s. Foto). Stell dir einfach vor, das Modell hat ein Fahrwerk und du möchtest zuerst auf den stabileren Hinterrädern aufsetzen.
F-18 im Landeanflug vor Touchdown mit Anstellwinkel
Geglückte Landung ohne Beschaedigung

Abschließende Gedanken und Ausblick

So und jetzt herzlichen Glückwunsch.

Dein erstes, selbstgebautes Modell ist fertig. Es entstand ohne fremde Hilfe mit frei zugänglichen Informationen aus dem Internet.

Optisch, aus der Nähe, ist der Jet noch nicht der „letzte Hit“, aber wenn Du Dir bei der Lackierung Mühe gegeben hast, ist aus 5m in der Luft keine Spur von einem „Profil“-Jet zu erkennen. Insbesondere die schönen gelb-leuchtenden Dekorstreifen und Schriftzüge lassen vergessen, dass es im Prinzip nur 7 Bauteile sind, die verklebt wurden.
Das Schöne ist, dass diese Technik auf nahezu alle Flugzeugformen anwendbar ist. Wenn Du also eine F-22, eine SU-27 oder eine F-15 bauen möchtest, nur zu. Das Handwerkszeug und die Techniken kennst Du nun.
In den anderen Bauprojekten, die nach und nach folgen werden, werde ich Dir zeigen, wie man das Modell mit Tricks und Kniffen optisch aufwerten kann, bis es (fast) originalgetreu seinem großen Vorbild gleicht. Das einzige, was jedoch immer bleiben wird, ist der Ausschnitt für den mittelgelagerten Motor und zukünftig das KF-4 Profil. Aber genau das ist ja das Markenzeichen meiner Jets, und das aus gutem Grund.

Die Flugeigenschaften sind genau so, wie ich es mag und mir zum Ziel gesetzt habe. Schon beim Start und nach den ersten Metern in der Luft hast Du das Gefühl, dass Du das Modell steuerst und nicht nur verhinderst, dass es abstürzt. Kein anderes Modell, bzw. Fertigmodell erzeugt bei mir dieses „wohlige, vertraute“ Gefühl, endlich wieder im Cockpit zu sitzen.



Dieses Bauprojekt ist aber noch nicht beendet.


Egal was du sonst noch baust, behalte deine F-18 in Ehren und nutze sie künftig als Testplattform. aufgrund der einfachen Bauweise und der guten Zugänglichkeit kann die Plattform“ jederzeit aufgerüstet werden. Ein neuer Motor ist durch die einfache Verschraubung schnell gewechselt. Durch Waschbenzin oder einen sauberen Schnitt lässt sich der Bodendeckel einfach abnehem und Du hast Zugang zu Regler und Empfänger oder kannst weitere Servos hinzufügen oder das vorhandene Setup verändern.
Und wenn dann Doch mal der ewige Flugzeughimmel ruft, dann hast Du gleich alles Komponenten für ein neues Modell parat.
Und ich garantiere Dir eins: Es wird noch b
esser fliegen.

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